Die Nutzung des Arbeitszimmers für mehrere Einkunftsarten

11.12.2017

Die steuerliche Behandlung des Arbeitszimmers ist in der Rechtsprechung eine „Never Ending Story“.

In dem Urteil, in welchem durch den Bundesfinanzhof am 25.04.2017 entschieden wurde, erzielte der Kläger sowohl Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (Schriftsteller) als auch Einkünfte aus nicht selbst-ständiger Arbeit. Dabei handelte es sich unstreitig um ein steuerlich anzuerkennendes Arbeitszimmer, bei dem es sich nicht um eine Arbeitsecke oder ein Durchgangszimmer handelte. Anhand der Größe des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche, ermittelte der Kläger die anteiligen Aufwendungen für das Arbeitszimmer. Daraufhin teile der Kläger die Aufwendungen nach den geschätzten Nutzungsanteilen der Einkünfte im Verhältnis von 75 % für Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit und 25 % für Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit auf. Der Kläger machte die Betriebsausgaben für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe des Höchstbetrags von 1.250,00 € bei den Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit geltend. Für die Einkünfte aus nicht selbstständiger Tätigkeit konnte kein Werbungskostenabzug geltend gemacht werden, da dem Kläger ein weiterer Arbeitsplatz im Rahmen seiner nicht selbstständigen Tätigkeit zur Verfügung stand und somit der Abzug der Aufwendungen des Arbeitszimmers für diese Einkunftsart ausgeschlossen war.

Das Finanzamt versagte den Betriebsausgabenabzug in Höhe von € 1.250,00 vollständig. In zweiter Instanz wurde vom Finanzgericht anhand der zeitlichen Nutzung des Arbeitszimmers, welche nach Schätzung des Finanzgerichts 50/50 % für Einkünfte aus selbstständiger/nichtselbstständiger Tätigkeit betrug, der Betriebsausgabenabzug lediglich zur Hälfte in Höhe von € 625,00 für die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit zugelassen. Folglich wurde durch das Finanzgericht der Betriebsausgaben-höchstbetrag gemäß den Zeitschlüsseln für die einzelnen Einkunftsarten aufgeteilt.

Schlussendlich erfolgte durch den Bundesfinanzhof ein vom Finanzgericht abweichendes Urteil. Dabei wurde entschieden, dass der Betriebsausgabenabzug für die Einkünfte aus selbständiger Arbeit in Höhe der Aufwendungen, die für das Arbeitszimmer getragen wurden, geltend gemacht werden können, soweit diese Aufwendungen der selbstständigen Tätigkeit zuzuordnen sind. Dabei wurde eine zeitliche Aufteilung von 50 % zugrunde gelegt. Der maximale Betriebsausgabenabzug beträgt € 1.250,00 für alle Einkunftsarten, wobei nicht ausgeschlossen wird, dass der Höchstbetrag bereits durch eine Einkunftsart erreicht wird. Weiterhin wurde durch den Bundesfinanzhof festgestellt, dass eine Aufteilung des Betriebsausgabenhöchstbetrages für das Arbeitszimmer in Höhe von € 1.250,00 nach Zeitschlüsseln auf einzelne Einkunftsarten nicht vorgenommen werden darf.

 

Summary

The Use of the Study for Several Types of Income

In the judgment which was decided by the German Federal Finance Court on 25.04.2017, the plaintiff achieved both income from independent work (writer) and income from dependent work. It is undisputed that this was a tax-deductible study, which was not a working corner or a walk-through room. After determining the pro-rata expenses, the plaintiff calculated the expenses according to the estimated utilization shares of the income in the ratio of 75% for income from independent and 25% for income from dependent work. The plaintiff claimed for the operating expenses for the home office in the maximum of €1,250.00 for the income from self-employment.

The tax office completely withheld the deduction of operating expenses in the amount of €1,250.00. In the second instance, the Finance Court allowed the deduction of operating expenses only by the half of the amount of €625.00 for the income from independent work (calculated 50% for independent work and 50% for non-independent work). 

In the end, the Federal Finance Court issued a judgment deviating from the Fiscal Court. It was decided that the business expense deduction for the income from independent work could be claimed in the amount of the expenses borne by the study, as far as these expenditures can be assigned to the independent work. This was based on a temporal split of 50%. The maximum deduction for business expenditure is €1,250.00 for all types of income, whereby it is not excluded that the maximum amount is already reached by one type of income.

 

Carl-Friedrich Glöij, Steuerberater